Redebeitrag der Antifa Wülfrath am 04.02.12 in Velbert

Europaweit fast 200 Kältetote alleine in den letzten paar Tagen. Mit diesen erschreckenden Zahlen erlangt das Leitmotiv dieser heutigen Demonstration eine traurige Aktualität. Einige Medien richten perfide Todesticker ein, in denen Opferzahlen im Stundentakt nach oben korrigiert werden. Leid und Elend wird hier zu einem Event gemacht, wie die Fußballberichterstattung am Wochenende. Eines wird dadurch offensichtlich: die Hintergründe, die Geschichte hinter den einzelnen Schicksalen findet kaum Beachtung – was zählt ist die Schlagzeile.

Nur wenn die Schlagzeile stimmt findet das Thema „soziale Ausgrenzung“ ihren Weg in die mediale Öffentlichkeit. Neben den vielen Kältetoten wird aktuell auch der Tod eines Kindes in Hamburg thematisiert, das unter der Obhut des Jugendamtes stand. Von der Presse gerne vorgeführt werden auch Arbeitslose die angeblich betrügen und sich auf Kosten anderer durch ihr Leben schnorren. Schlechtintegrierte kriminelle Ausländer, klauende und saufende Straßenkinder, drogenabhängige Prostituierte auf dem Straßenstrich. All das wird gerade von der Yellowpress immer wieder aufgenommen und stereotyp immer wieder gleich aufgearbeitet.

Dieses ständige Aufbereiten und Schaffen von Klischees hat mehrere Gründe: Eine reißerische Schlagzeile über das Leid anderer ist ein Garant für eine gute Zeitungsauflage. Daneben soll durch die Schaffung von Klischees der Mensch hinter dem Schicksal herabgestuft werden. Er ist nichts weiter als eine Schlagzeile. Diese Herabstufung ist die Grundlage für die Entsolidarisierung innerhalb der Gesellschaft und damit der Nährboden für soziale Ausgrenzung.
Doch sind Schlagzeilen in irgendwelchen Zeitungen immer ganz weit weg. Ein Gesicht bekommt das alles erst dann so richtig, wenn wir die lokale Ebene betrachten. So starb nur kurze Zeit vor dem Mord an Horst Pulter ein weiterer Obdachloser in Velbert. Klaus Müller erfror im Januar 1995 ohne dass dies große Beachtung fand.

Mitte 2010 war das lokale Obdachlosenheim Ziel eines Molotow Cocktail-Anschlages. Die Hintergründe dieser Tat sind bis heute nicht aufgeklärt.

Soziale Ausgrenzung hat viele Gesichter. Es liegt an jedem Einzelnen von uns im täglichen Leben, Klischees und Vorurteilen offensiv entgegen zu treten.

Es muss sich viel ändern, gerade in dieser Stadt.
Kein Vergeben Kein Vergessen
Antifa Wülfrath